Die vor zehn Jahren in Betrieb genommene Mainzelbahn, die auf einer gut neun Kilometer langen Trasse vom Hauptbahnhof West zum Lerchenberg führt, kann als Vorbild für den weiteren Ausbau des Straßenbahnnetzes in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt dienen. Denn das plant die kurz Mainzer Mobilität genannte Verkehrsgesellschaft (MVG). Diese konnte sich 2024 über den zuletzt vor Corona erreichten Rekordwert von knapp 57 Millionen Fahrgästen freuen, wofür zum einen das Deutschlandticket und die Einführung der beliebten Null-Euro-Samstage mitverantwortlich sein dürften. Zum anderen profitiert der Nahverkehr in der jungen Schwarmstadt vom beständigen Wachstum auf mittlerweile fast 230.000 Einwohner. Mit dem Versprechen „Wir machen die Schieneninfrastruktur in Mainz fit für die Zukunft“ und einer dazu passenden Förderzusage in Höhe von fast zehn Millionen Euro hat sich die demnächst aus dem Amt scheidende Mobilitätsministerin Katrin Eder (Die Grünen) nun noch einmal für ihre Heimatstadt einsetzen können. Mit dem Geld, das Teil eines Bundesprogramms für die Gemeindeverkehrsfinanzierung sei, werde das Vorhaben unterstützt, die bestehenden Tramstrecken nach Bretzenheim und Hechtsheim von Grund auf zu erneuern. Während an der Route durch das Zaybachtal seit Monaten intensiv gearbeitet wird, um etwa Gleise auszutauschen und Haltestellen umzubauen, soll die Sanierung an der Pariser Straße und der Geschwister-Scholl-Straße in der Oberstadterst im Sommer beginnen. Neben Großprojekten, wie dem 2024 begonnenen Bau einer zusätzlichen Verbindung vom Münsterplatz zum Bahnhof West, die im August in Betrieb genommen werden soll, investiere die Verkehrsgesellschaft regelmäßig hohe Millionenbeträge in den Erhalt von Bestandsstrecken, so Eder. Doch selbst bei guter Pflege und Instandhaltung komme man nicht umhin, abgefahrene Schienen und Weichen oder veraltete Oberleitungen auszutauschen. Die Fahrgäste der Deutschen Bahn hätten aktuell darunter zu leiden, dass dies zu lange versäumt worden sei, sagte die Ministerin. Straßenbahnen für die Verkehrswende Für das aktuelle Grunderneuerungspaket mit einem Volumen von insgesamt rund 23 Millionen Euro konnte Eder den Mainzern neben den bewilligten knapp zehn Millionen Euro des Bundes auch eine, wenngleich noch nicht genau zu beziffernde „Co-Finanzierung des Landes“ in Aussicht stellen. Die Straßenbahnen, die Ende der Neunzigerjahre per Ratsbeschluss beinahe komplett abgeschafft worden wären, „sind für die Verkehrswende in unserer Stadt von entscheidender Bedeutung“, sagte der MVG-Geschäftsführer Florian Wiesemann angesichts der Förderzusage. Neben der Beschaffung größerer und leistungsfähiger Fahrzeuge sowie dem Bau zusätzlicher Strecken, wie derzeit durch die Binger Straße, gehe es stets auch um die Modernisierung vorhandener Infrastruktur. Momentan kommt das Mainzer Netz auf eine Gesamtlänge von gut 30 Kilometer. Für die nächsten Jahre haben die Verkehrsplaner noch einige Ideen und Projekte in petto, um der bei Fahrgästen beliebten „Elektrisch“ neue Wege zu ebnen: So will man voraussichtlich von 2029 an eine neue Innenstadtringlinie schaffen, die vom Schillerplatz aus durch die Ludwigsstraße bis in die Neustadt führen soll. Außerdem ist eine Verbindung zum gerade entstehenden Heiligkreuz-Viertel vorgesehen, die auch das Gelände der Universitätsmedizin für Nahverkehrskunden besser erreichbar machen soll. Obwohl parallel dazu darüber diskutiert wird, große Teile des Uniklinikums an einen ganz anderen Standort in Mainz zu verlagern. Nicht zuletzt ist eine Straßenbahnanbindung des vergleichsweise weit draußen gelegenen Stadtteils Ebersheim, der zu den wenigen noch möglichen Mainzer Wachstumsorten gehört, ein nicht ganz unrealistisches Ausbauziel.
